• Arbeit,  Journalismus/Medien

    Weiterbildungsberatungs-Satire

    Heute war ich auf der Suche nach Interviewpartner*innen zum Thema Weiterbildung. Ziemlich schnell hatte ich das Gefühl, ich bin in einer Real-Satire gelandet oder hätte aus Versehen im Kalender von Marc-Uwe-Kling mit den falsch zugeordneten Zitaten geblättert.

    Fragen wie: „Woran erkenne ich eine gute Qualität bei Weiterbildungen?“, „Wie kann ich seriöse von unseriösen Anbietern unterscheiden“ oder „Muss gute Weiterbildung teuer sein?“ wollte mir das Infotelefon zur Weiterbildungsberatung nach Rücksprache mit seiner Ansprechpartnerin beim BMBF nicht beantworten und lehnte ein Interview für einen meiner Auftraggeber ab. Argument: Neutralitätsgebot.  

    Die „kompetente Hilfe und Unterstützung“ in Sachen Weiterbildung, die auf der Webseite angeboten wird, beschränkt sich offensichtlich nur auf die Fragen: Wo finde ich Weiterbildungen? Welche passt fachlich zu mir? Ob die gefundene Weiterbildung dann überteuert ist oder grottenschlecht – egal. Ich verstehe durchaus, dass es nicht gewollt ist, einzelne Bildungs-Anbieter schlecht zu machen oder konkrete Empfehlungen abzugeben. Aber ich erwarte schon, dass mir eine Weitebildungsberatung grundsätzliche Qualitätskriterien an die Hand gibt. Damit ich nicht nur die passende Weiterbildung finde, sondern in dieser Weiterbildung auch etwas lerne. Oder was denkt ihr?

  • Empfehlung,  Journalismus/Medien

    Bücher die mich 2019 inspiriert haben – Teil 1

    Ich lese keine Krimis. Dieses ständige Gefühl der Spannung löst bei mir kein behagliches Kribbeln im Bauch aus, sondern strengt mich eher an und trägt nicht zur Erholung am Abend bei. Das Buch “Tausend Zeilen Lüge” vom Journalisten Juan Moreno habe ich dennoch verschlungen, wie einen spannenden Thriller.

    Als im Dezember 2018 der Spiegel-Skandal um den Reporter Claas Relotius öffentlich wurde, war das auch für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Wie konnte es dazu kommen, dass jemand jahrelang Geschichten erfindet, vom Hotel aus seine Reportagen schreibt, anstatt die Protagonisten einfach zu interviewen? Wie kann jemand nicht nur eine große Leserschaft, sondern auch ganze Redaktionen blenden?

    Juan Moreno, der den Skandal gegen viele Widerstände aufdeckte, gibt in seinem Buch auf diese Fragen Antworten und berichtet detailliert, wie es dazu kommen konnte. Natürlich aus seiner Perspektive, aber sehr bemüht, möglichst alle Seiten zu erklären und so fair wie möglich zu sein. Er schildert zum Beispiel, wie Claas Relotius von Anfang an seiner Karriere log – nicht erst später, als er schon einen Namen hatte und vielleicht unter Druck war, weiter gute Geschichten bringen zu müssen.

    Moreno ist sich sicher, dass die Spiegel-Redaktion sich hat betrügen lassen: „Passivsatz, nicht aktiv. Aber man ist auch verantwortlich für das, was man sich mit machen lässt.“ (S. 249)  Er schreibt auch, dass er deutlich länger mit einer Beschwerde gezögert hätte, wenn er gewusst hätte, wie beliebt Relotius im Gesellschaftsressort des Spiegels war. „Natürlich wäre es hübscher zu sagen, dass mir die Gefahr bewusst war, ich sie aber mutig in Kauf nahm. (…) Die Wahrheit ist aber, dass ich meinen Vorgesetzten wohl nicht angerufen hätte, wenn mir Relotius‘ Redaktionsstatus bekannt gewesen wäre.“ (S. 165)

    Moreno wurde im Dezember 2019 vom Medium Magazin zum Journalisten des Jahres gewählt. Im dortigen Interview betont er, dass die größte Gefahr nicht von Fälschern wie Relotius ausgeht, sondern von Sparmaßnahmen im Journalismus. Das macht er auch am Ende seines Buches nochmal deutlich: „Das wahre, das strukturelle Problem für einen unabhängigen, soliden Journalismus (…), ist die Bezahlung. Viele Journalisten können von ihrer Arbeit nicht leben.“ (S. 278)

    Fazit: Klare Lese-Empfehlung! Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte es auf jeden Fall bald zur Hand nehmen.

    Anmerkung: Mir wurde für diesen Beitrag freundlicherweise das E-Book vom Rowohlt Verlag kostenfrei zur Verfügung gesteht.

  • Empfehlung,  Journalismus/Medien

    Podcast “Alles gesagt” mit Eva Schulz

    Ich höre gerade eine super spannende Podcast-Folge von „Alles gesagt“. Der Podcast ist vom ZeitOnline Magazin und hat ein Konzept, was mir sehr gut gefällt: Es wird so lange geredet, bis der Interviewgast keine Lust mehr hat.

    ZEITmagazin-Chefredakteur Christoph Amend und ZEIT-ONLINE-Chefredakteur Jochen Wegner stellen mal 90 Minuten lang, mal 5 Stunden lang ihren Gästen Fragen. Doch es kommt keine richtige “Interview”-Atmosphäre auf.  Eigentlich hatte ich mehr das Gefühl, dass ich drei, in ein interessantes Gespräch vertieften, Menschen heimlich beim Mittagessen lauschen kann. Echte Konversationen dauern meistens immer länger als die 30 oder 60 Minuten, die uns oft in einem Podcast angeboten werden. Mir gefällt die entspannte Atmosphäre im Interview, die sicherlich auch dadurch entsteht, weil es kein Zeitlimit gibt und keine Fragen, die schnell noch abgearbeitet werden müssen.

    In der aktuellen Folge wird Eva Schulz interviewt. Ich kannte vorher weder sie, noch ihr Politik-Format „Deutschland3000“ von funk, das für junge Leute zwischen 14 und 29 politische Themen in dreiminütigen Videos aufbereitet. Es macht unglaublich viel Spaß Eva zuzuhören, sie ist nicht nur sehr neugierig, sondern auch sehr lustig. Als das israelische Essen geliefert wird, fragt sie: „Hat irgendwer hier so ‘nen Hygienefimmel oder dürfen wir mit allem überall rein?“

    Eva studierte Kommunikation, Kultur und Wirtschaft, später dann Urban Studies. Sie hat also nicht über die klassischen Ausbildungswege (Volontariat, Journalistenschule) zum Journalismus gefunden. Auch in ihrem Redaktionsteam sind kaum Menschen aus Journalistenschulen zu finden. Das liege daran, meint sie, dass dort nicht zeitgemäß ausgebildet werde. „Ich finde da keine Leute, die die Skills haben, die wir brauchen“, sagt Eva. Neben guten Recherche-Fähigkeiten, brauche ihr Format vor allem Leute, die wissen, wie für Sozial Media produziert wird und wie sich Inhalte im Internet verteilen.

    In der Folge berichtet sie auch darüber, wie sie sich als Teenager für Webseiten und HTML interessierte, erzählt von ihrem politischen „Erwachen“ und wie es möglich ist, politische Themen für junge Leute interessant zu gestalten. Hört rein!

  • Journalismus/Medien

    Blog statt Studium

    Beim Stöbern im Netz bin ich auf einen Beitrag von Teresa Bücker gestoßen, den sie auf der Seite der Blogfabrik veröffentlicht hat. Unter dem Titel „Mein Blog war das bessere Studium“ plädiert sie dafür, möglichst viel zu schreiben, das wäre zumindest für sie die ideale journalistische Ausbildung gewesen.

    Sie ist ein Beispiel dafür, wie der Quereinstieg in den Journalismus über ein Blog gelingen kann. 2008 entdeckte „der Freitag“ ihr Blog und engagierte sie als Community-Chefin. Danach beriet sie die SPD zu ihrer digitalen Strategie, später war sie dann Chefredakteurin für das Online-Magazin Edition F.

    Ich freue mich immer, wenn ich über ungewöhnliche Werdegänge lesen kann. Wo jemand nicht die Journalistenschule XY besuchte, ein Volontariat beim Radiosender Z machte und dann die journalistische Karriere begann. Nichts gegen eine passende Ausbildung, das ist ja grundsätzlich ein tolles Angebot. Was ist aber, wenn ich kein heiß begehrtes Volontariat bekomme? Wenn ich nicht Vollzeit arbeiten kann oder möchte, weil ich zum Beispiel kleine Kinder habe? Was ist, wenn ich es mir nicht leisten kann, monatelang nichts oder nur sehr wenig zu verdienen? Die Ausbildungen setzen alle auf junge Leute ohne Kinder, die Vollzeit arbeiten können. Eine bezahlbare berufsbegleitende Ausbildung, die nicht nur online stattfindet, sondern auch einen hohen Praxisanteil hat, habe ich noch nicht gefunden. Und nein, 20.000€ habe ich gerade mal nicht so rumliegen, das zählt nicht zu „bezahlbar“. Ich lasse mich natürlich gerne eines Besseren belehren und freue mich über Tipps!

    Zurück zu Teresa Bücker. Sie rät dazu, sich in Sachen Berufsweg wieder mehr auf das Bauchgefühl zu verlassen. Denn „diese Haltung ermöglicht sicherlich keinen geradlinigen Karriereverlauf, aber umso wahrscheinlicher einen, der glücklich macht – beruflich und persönlich.“ Schönes Schlusswort.

     

    Foto: Unsplash

     

    Nachtrag 7.4.20: Leider funktioniert der Link zum Artikel nicht mehr.

  • Empfehlung,  Journalismus/Medien

    Faking Hitler – Der Podcast

    Letzte Woche habe ich den Podcast des Sterns „Faking Hitler“ entdeckt. In zehn Episoden wird auf die Fälschung der Hitler Tagebücher in den 80ern eingegangen und die spannende Frage beantwortet: Wie konnte es dazu kommen?

    Wie konnte ein erfahrener Journalist so lange an die Echtheit glauben und sich von einem immer größer werdenden Lügennetz umgarnen lassen? Wieso hatte der Stern die angeblichen Tagebücher nicht im Vorfeld umfassender prüfen lassen? Im Hauptfokus sind Telefonaufnahmen der Gespräche von Journalist Gerd Heidemann mit dem Fälscher Konrad Kujau. Aber auch Expert*innen und Kolleg*innen kommen zu Wort.

    Heute ist Episode 6 rausgekommen. Die erste Folge war toll, Folgen 2, 3 und 4 haben sich leider ein wenig gezogen, aber seit Folge 5 ist es wieder super spannend. Der Podcast  hört sich spannend wie ein Krimi –  ein echter allerdings. Und zeigt wie, wie die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge unbemerkt verschwimmen kann, wenn Menschen unbedingt etwas wollen.

     

    Foto: Unsplash