• Empfehlung

    Was passiert, wenn wir vom Guten im Menschen ausgehen?

    Eine menschlichere und gerechtere Welt ist möglich, davon ist der niederländische Journalist und Historiker Rutger Bregman überzeugt. In seinem Buch „Im Grunde gut“ schreibt er, dass der Mensch in der Natur seines Wesens freundlich und hilfsbereit ist.

    Ich bin nun mit dem Buch fertig. Einen ganzen Monat habe ich gebraucht, es zu lesen. Zum einen, weil ich nicht immer die Zeit hatte, zum anderen, weil das Buch fast 500 Seiten lang ist. Außerdem beinhaltet es viel Stoff zum Nachdenken, ich hätte es gar nicht in einem Rutsch runterlesen können. Während der Lektüre habe ich mir jede Menge Notizen gemacht und immer wieder Zitate rausgeschrieben, die ich toll fand.

    Die Quintessenz des ganzen Buches findet sich meiner Meinung nach in diesem Satz wieder: „Das Böse ist stärker, aber das Gute kommt häufiger vor.“
    Der Autor bestreitet nicht, dass es auch schlechte Seiten in den Menschen gibt, er belegt aber durch unzählige Beispiele, dass das die Ausnahme ist. Es ist die Ausnahme, wenn Leute morden, wenn sie kriminell aktiv werden, wenn sie gewalttätig werden. In der Corona-Krise zum Beispiel, da hätten die meisten Leute einfach ihren Nachbarn geholfen. Und ja, dann gab es auch die, die aus Panik angefangen haben, Klopapier zu horten. Warum haben wir aber oft das Gefühl, dass die Welt immer schlechter und böser wird? Weil negative Ereignisse und Gefühle besser in unserem Gedächtnis haften bleiben (Negativitätseffekt). Das Buch beschreibt unzählige positive Beispiele von Menschen, die auch in Extremsituationen einander halfen, Waffen niedergelegten und füreinander da waren. Und es stellt die wichtige Frage: Was wäre, wenn wir vom Guten im Menschen ausgingen? Wie würde sich dann unsere Gesellschaft verändern?

    Eine ausführlichere Rezension von mir könnt ihr hier, bei einem meiner Auftraggeber, lesen. Viel Spaß!

  • Empfehlung

    Cancel-Culture und Embracing-Culture

    Heute habe ich einen Hör- und einen Watch-Tipp für euch, viel Spaß dabei!

    Fehlerkultur statt Cancel-Kultur

    Was? Die Folge „Gefährdet Cancel Culture die Meinungsfreiheit?“ des Podcasts Realitäter*innen von Lúcia Luciano und Gizem Adiyaman.

    Warum? Das Thema wurde bereits in den Medien heiß diskutiert. Diese Podcastfolge beleuchtet die Cancel-Kultur differenziert und angenehm unaufgeregt.

    Besonders spannend fand ich: Auf der einen Seite steht die Frage im Raum, warum eine Cancel-Kultur überhaupt entsteht und ob sie vielleicht Lücken im deutschen Rechtssystem füllt. Also ob sie da entsteht, wo Menschen das Gefühl haben: Ich werde sonst nicht gehört, ich kann nichts dagegen machen. Gleichzeitig wird bezweifelt, ob durch eine Cancel-Kultur irgendetwas nachhaltig verändert werden kann. Zudem kann sie das Leben der „Gecancelten“ viel härter treffen, als eine sachliche Kritik. Im Podcast wird daher plädiert, lieber eine Fehler- oder Verantwortungskultur zu etablieren: „Beim Canceln gibt es kein Zurück, du bist raus. (…) Für mich persönlich fühlt es sich besser an, eher von einer Fehlerkultur, als von einer Cancel-Kultur zu sprechen“. (Minute 42)

    Embracing the Culture

    Was? Video von Julie Nolke zum Thema „Travel Influencers Be Like“

    Warum? Ich habe Julie Nolke erst vor kurzem durch ein sehr unterhaltsames Video entdeckt, in dem sie sich mit ihrem Vergangenheits-Ich über die späteren Auswirkungen der Corona-Pandemie unterhält. Sie hat eine ganz eigene Art, Dinge zu thematisieren und ironisch auf den Punkt zu bringen.  

    Besonders lustig fand ich: Julie spielt eine Travel-Influencerin, die sich mit einer Kollegin (auch durch sie dargestellt) darüber unterhält, wie wichtig es ist, sich als Reisende der Kultur vor Ort anzupassen. Auch die  Authentizität im Land zu entdecken sei sehr wichtig. So reiste die eine Influencerin mit einer Hilfsorganisation nach Afrika, war dann aber leider zu sehr damit beschäftigt, Fotos zu machen, statt zu helfen. Die beiden versuchen sich mit immer „authentischeren“ Geschichten zu toppen, bis sie am Ende pathetisch seufzen: „Travel is life“.

  • Einfach so,  Empfehlung

    Was machen wir uns Sorgen um den Herbst?

    Heute beglücke ich euch mit einem tristen Foto von meinem Schreibtisch aus. Es regnet. Der Herbst ist da.

    Und mit ihm auch die Sorgen vor einer weiteren Corona-Welle. Nun gibt es ja auch immer wieder Leute, die sagen: “Hey, wo ist das Problem? Was macht ihr euch für Sorgen? Ist doch alles gut gelaufen in Deutschland.” Dazu möchte ich gerne Christian Drosten zitieren, der letzte Woche im Podcast Coronavirus-Update (Folge 56)  über Menschen, die an den Corona-Maßnahmen zweifeln, sagte:

    Zu suggerieren, das wäre doch alles nicht nötig gewesen, ist genauso intelligent, wie in dieser schönen Spätsommerwoche zu sagen: „Es regnet doch gar nicht. Was machen wir uns Sorgen um den Herbst? Was reden wir über Nebel und Regen?“

    Ja, was machen wir uns Sorgen über den Regen? Hier ist er, ich präsentiere ihn live von meinem Arbeitsplatz aus. Und hoffe sehr, dass es nur beim Regen bleibt.

  • Empfehlung,  Journalismus/Medien

    Im Grunde gut

    Ich habe gerade angefangen, das (schon jetzt sehr tolle) Buch des Journalisten und Historikers Rutger Bregmann “Im Grunde gut” zu lesen. Er fragt sich, warum so viele Menschen davon ausgehen, dass die Menschen grundsätzlich “egoistisch, panisch und agressiv” sind.

    Seiner Meinung nach hat das viel mit den Geschichten zu tun, die wir tagtäglich über die Medien erzählt bekommen. Damit bezieht er sich vor allem auf “News”  – die Berichterstattung über jüngste und sensationelle Ereignisse. Konstruktiven Journalismus, der hilft, die Welt besser zu verstehen, schließt er explizit aus. Auch Reality-TV-Formate, die davon leben, dass die Leute sich möglichst oft an die Gurgel gehen, prangert er an. Forscher hätten herausgefunden, dass Mädchen, die häufig Reality-TV schauen, eher der Meinung wären, dass man gemein und verlogen sein muss, um etwas zu erreichen.

    “‘Wer die Geschichten über eine Kultur erzählt’, sagte der Medienwissenschaftler George Gerbner einmal, ‘beherrscht das menschliche Verhalten.’ Kurz gesagt, es ist Zeit für eine andere Geschichte.”

    Das sehe ich auch so. Und bin schon ganz gespannt, wie es im Buch weitergeht.

  • Einfach so,  Empfehlung

    Wie geht Erfolg?

    Ständig höre ich: Du musst dich verkaufen.
    Kann sein. Aber noch lieber lese ich ein gutes Buch, ernte Äpfel oder schreibe über Dinge, die mich berühren.
    Ständig lese ich: Spezialisiere dich, suche dir ein Nischenthema – dann wirst du erfolgreich.
    Die Welt ist viel zu spannend, um sich nur für eine Sache zu interessieren, denke ich dann und bin schon wieder neugierig auf das nächste große Ding.
    Ständig erfahre ich: Du musst mehr Suchmaschinenoptimierung betreiben und überall wichtige Buzzwords einbauen.
    Vielleicht. Aber dann bleibt von den Texten ja nicht mehr viel übrig. Suchmaschinenoptimierung versus Textoptimierung.


    Doch dann höre ich wie Mai Thi Nguyen-Kim sagt:

    Ich bin davon überzeugt, dass der beste unique selling point man selbst ist“.

    Also bleib ich einfach wie ich bin. Und schlage zwei Fliegen mit einer Klappe 🙂