• Einfach so,  Familie,  Soziales

    Positive Folgen der Krise

    Die negativen Folgen der Corona-Krise sind in aller Munde. Auch ich bin gespannt und beunruhigt, wie sich unsere Gesellschaft dadurch verändern wird. Aber es gibt auch positive Veränderungen, die die Krise auslöst. Hier eine kleine persönliche Übersicht:

    1. Mehr Kontakt zu Freunden und Familie: In den letzten Wochen habe ich mit fast sämtlichen Freunde, auch den weit entfernten, einmal telefoniert oder geschrieben. Letztes Wochenende haben wir uns mit der gesammelten Großfamilie via Zoom vor dem Rechner versammelt und gequatscht. Obwohl das schon länger möglich ist, habe ich das vorher nie in Betracht gezogen. Warum machen wir das jetzt eigentlich nicht immer so? Warum zum Telefonhörer greifen, wenn ein Video-Telefonat genauso gut geht und noch viel persönlicher ist?
    2. Ich habe wieder Zeit für Pilates. Dadurch, dass es online stattfindet, muss ich mich abends nicht mehr aufraffen und rausgehen, sondern gehe einfach mit der Matte nach nebenan.
    3. Die Kinder verbringen mehr Zeit mit uns und genießen es sichtlich. Regelmäßig fragt die Kleine: „Ist Wochenende?“. Dann erkläre ich ihr, dass zwar kein Wochenende ist, aber die Kita trotzdem Pause hat. Sie nickt dann immer ganz verständnisvoll. Seitdem sie so viel Zeit mit uns verbringt, braucht sie übrigens kaum noch einen Schnuller.
    4. Ich spare Geld. Kaum noch Coffee-to-Go oder Brötchen für unterwegs, Mittagessen fast immer zu Hause. Keine langen Sessions mit dem Laptop im Café, keine Eintrittsgelder am Wochenende. Stornierte Flüge und Ferienwohnungen. Obwohl wir auch ein paar Anschaffungen hatten, macht sich das jetzt schon auf dem Konto bemerkbar. Ob sich das langfristig auszahlt (Stichwort Wegfall von Honoraren) ist natürlich eine ganz andere Frage. Jetzt erstmal ist das auf jeden Fall schön.
    5. Meine Große (fast 5) möchte Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Wiederholt hat sie uns darum gebeten, letztens habe ich ihr die ersten Arbeitsblätter für Vorschulkinder ausgedruckt. Sie war mit Eifer bei der Sache.
    6. Der Schrebergarten profitiert stark von der vielen Zeit, die wir jetzt unfreiwillig haben. Es exisiteren schon herausragende Konzepte zu einer berankten Pergola aus selbst bemalten Holzbalken mit Sonnensegel. Ich ziehe gerade Tomaten und Paprika auf der Fensterbank heran, die Kartoffeln keimen auch schon vor. Die Zeit des Kleingartens ist endlich gekommen!
    7. Ich spiele regelmäßig Gesellschaftsspiele mit den Kids. Früher haben wir die höchstens im Urlaub rausgeholt.
    8. Im Arbeitszimmer steht jetzt ein Cross-Trainer, den ich in den Pausen benutze.

     

     

  • Berlin,  Familie,  neugierig auf

    Quarantäne oder nicht? Das ist hier die Frage.

    Die Tagesmutter meiner Tochter erkrankte an Corona. Bis wir Eltern erfuhren, was zu tun war, waren wir tagelang verunsichert und schlecht informiert. Laut Berliner Senatsverwaltung werden zurzeit die Kontaktpersonen der Corona-Infizierten ermittelt, kontaktiert und isoliert. In unserem Fall konnten wir nichts davon feststellen.

     

    Freitag, 13.03.20
    Meine kleine Tochter geht in eine Kinder-Tagespflege bei zwei Tagesmüttern in Berlin-Friedrichshain. Mich erreicht abends der Anruf von Tagesmutter X, dass bei Tagesmutter Y der Verdacht auf Corona-Virus besteht und sie getestet wird. Trotz Verdachts wird nicht geplant, die Tagespflege zu schließen. Berlin beschließt am gleichen Tag ab Dienstag, den 17.03. Kitas und Schulen zu schließen. Kindertagespflegen sind erst einmal von der Regelung ausgenommen.

    Sonntag, 15.03.20
    Der Chat in unserer WhatsApp-Gruppe der Eltern der Tagespflege läuft nun schon seit Tagen heiß. Vor allem wird darüber spekuliert, ob die Tagespflege am Montag noch öffnen darf. Dann leitet eine Mutter die Nachricht von Tagesmutter X weiter: Kindertagespflegen werden nun auch geschlossen. Einige Eltern haben bereits sowieso beschlossen, ihre Kinder ab Montag zu Hause zu lassen.

    Montag, 16.03.20

    Dass das Gesundheitsamt aktiv wird, darauf warten wir vergeblich. Doch die Eigeninitiative der Eltern ist groß. Den ganzen Montag versuchen sie die Corona-Hotline Berlin zu erreichen oder das Friedrichshainer Gesundheitsamt. Die Aussagen sind widersprüchlich: Die Person bei der Berliner Corona-Hotline (030/90282828) rät einem Elternteil, dass sich Eltern und Kinder testen lassen müssen, weil sie direkten Kontakt zu einer Infizierten hatten. Ein anderes Elternteil erreicht nach 150 Anrufen endlich auch die Corona-Hotline. Ihm wird gesagt, dass alle zu Hause bleiben und warten sollen, bis sie vom Gesundheitsamt kontaktiert werden. Ein Kinderarzt rät, auf jeden Fall zu einer Teststelle im Krankenhaus zu fahren. Ein anderer Kinderarzt rät, auf jeden Fall zu Hause zu bleiben und die Corona-Hotline anzurufen.

    12:01 Uhr: Eine Familie fährt in die Teststelle des Evangelischen Krankenhauses in Berlin-Lichtenberg und wird wieder nach Hause geschickt, weil das Kind keine Symptome zeigt. Keiner versteht so richtig warum. Sie wurden weder in der Teststelle noch von der Corona-Hotline darüber aufgeklärt, dass ohne Vorliegen von Symptomen ein Testergebnis nur begrenzte Aussagekraft hat und daher nur Tests bei Personen mit Symptomen durchgeführt werden.

    13:29 Uhr: Eine Familie erreicht das Gesundheitsamt in Friedrichshain. Ihnen wird gesagt, dass sie nicht für den Fall verantwortlich sind, da die erkrankte Tagesmutter in Pankow wohnt. Wir sollen das Gesundheitsamt Pankow anrufen.

    15:13 Uhr Eine weitere Familie fährt mit ihren zwei Kindern zur Teststelle im Krankenhaus. Da sie in den letzten Wochen starke Grippe-Symptome hatten und noch nicht wieder ganz gesund sind, werden sie getestet. Allerdings nur zwei aus der Familie. Sie sollen selbst entscheiden, wer getestet wird. Die Mutter berichtet von dramatischen Szenen in der Teststelle. Menschen betteln lautstark darum, getestet werden zu dürfen und werden abgewiesen.

     

    Dienstag, 17.03.20
    11:24 Uhr: Eine andere Familie wird vom Gesundheitsamt Friedrichshain zurückgerufen: Sie sollen sich 14 Tage lang selbst isolieren und auf Symptome achten. Auch sie wurden nur angerufen, weil sie sich vorher gemeldet hatten.

    14:23 Uhr:
    Das Gesundheitsamt Friedrichshain kann einer anderen Familie am Telefon nicht sagen, ob sie sich in Quarantäne begeben soll oder nicht. Das Gesundheitsamt Pankow sei verantwortlich.

    18:56 Uhr: Wir erfahren, dass das Gesundheitsamt in Pankow Tagesmutter X heute anrief und mitteilte, dass alle Kinder und Eltern, die bis zum 12.03. mit Tagesmutter Y Kontakt hatten (ihr letzter Arbeitstag), sich bis zum 26.03. in Quarantäne begeben müssen. Das Gesundheitsamt Friedrichshain-Kreuzberg würde sich morgen bei uns allen melden und die Quarantäne anordnen.

     

    Mittwoch 18.03.20
    Heute und auch die nächsten Tage meldet sich keiner vom Gesundheitsamt Friedrichshain-Kreuzberg bei uns Eltern. Allerdings reagiert das Gesundheitsamt Pankow auf E-Mails und ruft eine Familie zurück. Sie müssen nicht in Quarantäne, da ihr Kind am 6. März das letzte Mal Kontakt zu Tagesmutter Y hatte. Nun sind alle restlos verwirrt. Wenn doch mit einer 14-tägigen Inkubationszeit gerechnet wird, wie kann das sein?

     

    Donnerstag 19.03.20
    Vier Tage nachdem der Corona-Virus-Test der Tagesmutter positiv ausfiel, werde ich endlich vom Gesundheitsamt Pankow aufgrund meiner E-Mail zurückgerufen. Auch mir wird gesagt, dass  wir nicht in Quarantäne müssen, da meine Tochter das letzte Mal am 3. März Kontakt zu der Tagesmutter hatte. Ich bin misstrauisch, die Dame am Telefon kann mir den Grund dafür nicht glaubhaft vermitteln. Also recherchiere ich und finde endlich heraus warum. In dem NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ erklärt der Virologe Professor Christian Drosten in der Folge 16, dass nach aktuellen Erkenntnissen die Infektiosität bei symptomatischen Patienten erst ca. einen Tag vor Symptombeginn beginnt. (In Folge 20 fügt er hinzu, dass sie eher 2,5 Tage vorher startet) Das heißt, es kann zwar 14 Tage lang dauern, bis die Krankheit ausbricht, wenn sie aber ausgebrochen ist, war die Person nur kurze Zeit vorher ansteckend gewesen. Das konnte ich nirgendwo im Internet lesen, nicht beim Robert Koch Institut, nicht auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit. Ich musste sämtliche Abschriften eines Podcasts durchforsten, um darauf aufmerksam zu werden. Warum ist diese Info kaum zu finden? Keiner von uns Eltern wusste über diesen Sachverhalt Bescheid und keiner der Menschen, mit denen ich darüber bisher geredet habe.

    (Zitat Christian Drosten, Podcast Coronavirus-Update, Folge 16)
    (Zitat Christian Drosten, Podcast Coronavirus-Update, Folge 20)

     

     

     

     

     

     

     

    Freitag, 20.03.20
    Gestern (6 Tage nach dem Corona-Verdacht und 3 Tage nach Bestätigung des Verdachts) wurde die nicht infizierte Tagesmutter endlich vom Gesundheitsamt Friedrichshain kontaktiert. Sie und alle Kinder, die bis zum 12. 3. in der Tagespflege waren, sollen für 14 Tage in Quarantäne. Angeblich wurden alle betroffenen Eltern darüber informiert. Zwei Familien melden zurück, dass sie nicht kontaktiert wurden. Sie lassen ihre Kinder trotzdem vorsorglich zu Hause. Zum Glück geht es allen soweit gut, die Kinder zeigen keine Symptome, Tagesmutter Y hatte allerdings mit Atemnot zu kämpfen.

    Dienstag, 24.03.20 Tagesmutter Y geht es wieder besser. Tagesmutter X zeigt bisher keine Symptome, alle freuen sich über die guten Nachrichten. Der Virus allerdings tobt weiter in Deutschland herum.

    Wir (die Eltern der Kinder in der Tagespflegestelle) wurden nur auf Eigeninitiative von ratlosen Gesundheitsämtern kontaktiert und nicht ausreichend informiert. Die Corona- Hotline erzählte uns etwas anderes als das Gesundheitsamt, die Gesundheitsämter kommunizierten nur schlecht untereinander. Wir fühlten uns allein gelassen. Bei allem Verständnis für die aktuelle Überlastung: So bekommen wir das Virus nicht unter Kontrolle.

  • Empfehlung

    When the Going Gets Tough, the Tough Get Going

    Ich ringe immer noch um Worte. Und um Haltung. Denn so krisenhaft alles gerade ist, ich möchte trotzdem fröhlich bleiben, die Zeit mit meinen Kindern so positiv gestalten wie möglich und weitermachen, wie es eben unter den gesellschaftlichen Umständen gerade so geht. Ein paar Dinge, die mich in den letzten Tagen aufgeheitert haben, möchte ich gerne mit euch teilen:

      • Welcome to Cornoa Virus Inc: Ein herrlicher Artikel über das Managementteam eines Virus-Unternehmens, das überlegt, wie es den Markteinstieg des Corona-Virus noch fulminanter gestalten kann und welche Hindernisse es so gibt.
      • Meanwhile at the toilet paper warehouse: Ein höchst amüsierter Niederländer nimmt uns in seinem Video mit in ein bis zum Rand gefülltes Toilettenpapier-Lager – und lacht sich fast kaputt bei dem Gedanken, dass wir bald nicht mehr genug davon haben könnten.

     

    • When the Going Gets Tough, the Tough Get Going: Das Lied in der Swing-Version (aus dem Film Easy Virtue) kenne ich schon länger und ist ein Mutmacher für mich geworden. Als ich es auf YouTube suchte, fand ich das Original- Musikvideo aus dem Jahr 1985 mit Billy Ocean. Wie Michael Douglas, Danny DeVito und Kathleen Turner da ganz engagiert in weißen Anzügen als Backgroundchor rumtanzen – unterhaltsam!

    Habt ihr auch noch weitere Link-Tipps, die Mut machen oder erheitern?

  • Berlin,  Familie

    Frühling

    In Zeiten wie diesen schwanke ich zwischen leichter Panik, Zweifeln, wann wieder ein normaler Alltag sein wird und dem Gefühl, das eigentlich alles noch sehr normal ist.

    Uns geht es gut, wir sind nicht krank, wir können alles kaufen was wir wollen, arbeiten, mit den Kindern spielen etc. Nur halt unter etwas erschwerten Bedingungen. Wichtig ist mir momentan, wieder einen neuen Rhythmus zu finden, um den Alltag ohne Kita zu organisieren. Ich achte darauf, dass ich mich ausreichend bewege,  gut gelaunt bleibe und den Kontakt zu den Freunden dann eben telefonisch halte.

    Was mir gerade richtig gut tut, ist unser Schrebergarten. Dort kann ich mit den Kindern ungestört ein paar Stunden verbringen und zudem beobachten, wie der Frühling alles zum Blühen bringt. Das ist eine hervorragende Ablenkung und auch sehr sinnvoll: Meine Kinder sind draußen in der Natur, lernen, wie man Gemüse ansät, helfen mit und sind herausgefordert. Später im Sommer werden wir uns dann über die leckeren Ergebnisse freuen! Gestern haben wir einen Birnbaum gepflanzt, auf den ich mich schon seit einigen Wochen freue. Wir hatten ihn bei einer Baumschule in Brandenburg bestellt, die alte Obstsorten verkauft. Nun steht eine Gellerts Butterbirne bei uns im Garten und ich bin gespannt, wann sie die ersten Früchte trägt.

    Ich möchte euch ermutigen, auch in Dinge zu investieren, die später einmal Frucht tragen werden. Nutzt Leerzeiten, die ihr jetzt vielleicht habt und werdet produktiv! Schreibt an Konzepten, räumt auf, bringt neue Projekte ins Rollen oder verbringt viel Zeit mit euren Kindern. Lest Bücher und Zeitschriften, werdet kreativ, handwerklich und besucht Online-Konzerte! Es gibt noch viel zu tun.

  • Empfehlung

    Don’t panic

    Ich habe eben einen sehr interessanten und differenzierten Artikel zum Thema Corona-Virus vom Online-Magazin Perspective Daily gelesen. Er beschäftigt sich mit den tatsächlichen Zahlen, was sie aussagen und was sie nicht sagen können. Außerdem gibt es hilfreiche Links zu soliden Informationen zum Thema. Die Autorin Lara Malberger ist der Meinung: Vorsicht ist gut, Panik, wie sie an manchen Orten gerade ausbricht, nicht hilfreich. Wenn zum Beispiel überall Desinfektions-Mittel gekauft und gehortet werden, sind sie bald nicht mehr zugänglich für die, die es wirklich brauchen: Immunschwache und Kranke. Ausführliches Händewaschen reicht, sagt das Robert Koch Institut.
    Vielen Dank für den ausgewogenen Artikel!