• Arbeit,  Einfach so

    Mein Highlight des Tages

    Gestern hat mir eine Studentin geschrieben, deren Hausarbeit ich korrigiert hatte. Ich habe nämlich an der FU-Berlin letzten Herbst ein Projektseminar unterrichtet, in dem ich die Studierenden dabei unterstützt habe, ein innovatives Bildungsprojekt zu entwickeln und fiktiv zu beantragen.

    Den Job habe ich über alte Fundraising-Kontakte bekommen und ist eine tolle Abwechslung zum Journalismus. Es macht mir Spaß, gemeinsam zu überlegen, welche Inhalte realistisch sind, wie ein Finanzplan auszusehen hat und was alles in einen Maßnahmenplan rein muss. Da ich nicht davon ausgehen konnte, dass die Studierenden das irgendwo schon mal gemacht haben und auch die begleitende Vorlesung ja nur theoretisch ist, gab ich mir viel Mühe mit der Begleitung während des Semesters und eben auch bei der Korrektur.  So kam es dann auch dazu, dass sich die Studentin, der ich leider eine 3,0 geben musste, sich trotzdem bei mir bedankte 🙂

    Und ich muss mir die Frage stellen, wie Studierende heutzutage etwas lernen sollen, wenn sie anscheinend kaum ausführliches Feedback bekommen? Ich weiß, dass das auch immer eine Frage der personellen Kapzitäten ist. Mein Lehrauftrag ist finanziell nicht sonderlich attraktiv, zumindest nicht, wenn ich mir die Zeit nehme, die ich mir gerne für jeden einzelnen nehmen möchte. Wer ausschließlich davon leben muss, kann sich eine qualitative Betreuung der Studierenden wahrscheinlich kaum leisten. So ist es ja leider an so vielen Stellen: In den Kitas mangelt es an Erzieher*innen, in den Schulen an Lehrpersonal. Bildung braucht fast immer mehr Zeit, als vorhanden.

     

  • Arbeit,  neugierig auf,  Soziales

    “Der kommt wieder, der schafft’s eh nicht”.

    Sieben Jahre lang war Alexander Abasov in einer Behindertenwerkstatt beschäftigt. Als er die Idee hatte, sich auf ein Praktikum in einer Werbeagentur zu bewerben, bekam er von den Verantwortlichen aus der Werkstatt nur „einen warmen Händedruck“.

    Alexander Abasov

    Er entschloss sich dann, eine Ausbildung als Mediengestalter zu beginnen und hatte sogar schon Kontakt zu einer Werbeagentur, die ihn ausbilden wollte. Wieder gab es keine Unterstützung seitens des Fachpersonals in der Werkstatt, nur den Kommentar: “Der kommt eh wieder, der schafft’s eh nicht”. Doch sein zukünftiger Chef glaubte an ihn und half ihm, sich durch den Behördendschungel zu kämpfen. Denn ein Mensch mit Behinderung, der eine Ausbildung zum Mediengestalter machen will, schien überhaupt nicht im “System” eingeplant zu sein. Heute arbeitet Alexander Abasov als Mediengestalter für Digital- und Printmedien und findet: Wenn man Inklusion leben möchte, sollte man weniger reden, sondern viel mehr machen!
    Hier seht ihr das Interview mit ihm, das ich geführt habe:

  • Arbeit,  neugierig auf,  Soziales

    Wer einmal in der Behindertenwerkstatt ist, kommt oft nicht mehr raus!

    Inklusion darf kein Zufall sein, findet Anne Gersdorff, Referentin für Inklusion und Arbeit. Viele Menschen mit Behinderung würden bei einer Job-Beratung oft das nehmen, was ihnen von der Agentur für Arbeit serviert würde.

    Anne Gersdorff

    Da sind dann oft Berufsbildungswerk oder Behindertenwerkstatt die einzigen Ratschläge. Doch leider sind diese Einrichtungen nicht wirklich inklusiv: Lauter Menschen mit Behinderungen lernen und arbeiten dort. Die ohne Behinderung sind Betreuende – ein klares Machtgefälle. 

    Anne Gersdorff sitzt selbst im Rollstuhl und berät für das Projekt JOBinklusive andere Menschen mit Behinderungen, wie sie einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Das Kuriose: Oft scheitert es nicht an den Unternehmen, sondern an bürokratischen Hürden. Hier seht ihr das Interview mit ihr:

    Fotocredit: Andi Weiland  | Gesellschaftsbilder.de 

  • Arbeit,  neugierig auf,  Soziales

    “Ich glaube, dass man oft aufgrund seiner Behinderung unterschätzt wird”

    Noch immer haben Menschen mit Behinderungen schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt. Und dass, obwohl es in Deutschland schon viele Maßnahmen gibt, um Teilhabe im Job zu ermöglichen.

    Gründer Zacharias Wittmann. Foto: privat

    Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai habe ich mit dem Verein aussichtsreich e.V. ein Projekt gestartet. Wir fordern: Gleiche Chancen im Job! und haben eine Social-Media-Kampagne gestartet. Dazu habe ich mit drei spannenden Personen gesprochen und Interviews geführt.

    Im ersten Gespräch habe ich mit Zacharias Wittmann geredet, dem Gründer des Social Startups Companion2go. Warum es ganz praktisch sein kann, sich als Mensch mit Behinderung selbstständig zu machen und wie Menschen mit und ohne Behinderung am besten in Kontakt kommen, das erfahrt ihr hier:

    In den nächsten Tagen werde ich auch noch die weiteren Interviews für euch veröffentlichen, ihr dürft gespannt bleiben!

  • Arbeit,  Journalismus/Medien

    Vom Märchen der Chancengleichheit

    Das passiert, wenn du eine große Behörde zum Thema Diversity im Bewerbungsprozess befragst und die Antworten der Befragten vorher nochmal eine Runde durch die Pressestelle drehen.

    Ich schrieb letztens an einem Artikel zu der Frage, inwieweit die soziale Herkunft im Job eine Rolle spielt. Denn das tut sie leider! 59% der befragten Führungskräfte und Personalverantwortlichen gaben bei der Studie Diversity Trends von 2020 an, Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft im Arbeitsleben beobachtet oder erfahren zu haben.

    Eine andere Studie fand heraus, dass Bewerber*innen mit elitären Hobbys wie Segeln oder Polo viel öfter zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, als Bewerber*innen mit Hobbys wie Fußballspielen oder Countrymusik. Der richtige „Stallgeruch“ spielt trotz objektiver Kriterien im Bewerbungsprozess immer noch eine Rolle.


    Was sagen Behörden zum Thema Diversity?
    Nun wollte ich wissen, wie das Thema bei einer großen deutschen Behörde angegangen wird. Denn die haben doch bestimmt Erfahrung und können uns daran teilhaben lassen? Welche Fehler haben sie in der Vergangenheit gemacht, aus denen wir lernen können und wie stellen sie eine möglichst objektive Auswahl der Bewerber*innen sicher? Die Antworten, die ich erhielt, waren so formell und gleichzeitig nichtssagend, dass es mich ganz schön wütend gemacht hat. Ich fasse sie hier für euch (stark verkürzt) zusammen:

    ____________________________________________

    Wie stellen Sie sicher, dass in Ihrem Arbeitsbereich die soziale Herkunft beim Bewerbungsprozess keine Rolle spielt?
    Behörde: Jede Bewerbung bei uns wird nach objektiven Kriterien beurteilt. Die soziale Herkunft spielt somit im Bewerbungsprozess bei uns keine Rolle. Außerdem fragen wir die soziale Herkunft gar nicht ab. Sie ist also von keinerlei Bedeutung im Auswahlverfahren.

    Ist dieser Anspruch leicht in die Praxis umzusetzen?
    Behörde: Bei der Auswahl dürfen grundsätzlich weder Geschlecht, Abstammung, ethnische Herkunft, Behinderung, Religion, politische Anschauungen, Herkunft noch Beziehungen oder sexuelle Identität als Kriterien für die Entscheidung herangezogen werden

    Können Sie (erste) Erfolge sehen?
    Behörde: Diese Frage impliziert, dass wir notwendige Veränderungen hätten umsetzen müssen. Das war aber nicht nötig.

    ____________________________________________

    Wenn du jetzt das Gefühl hast, du hast mehr Fragen als vorher, bist du bestimmt nicht allein!
    Für echte Antworten zur praktischen Umsetzung und wertvolle Infos zum Thema soziale Herkunft als Vielfaltsdimension,  empfehle ich euch die Seite des Charta der Vielfalt e.V., die sich das Thema auf die Fahne geschrieben haben.