• Empfehlung

    Songs gegen den Corona-Blues

    Die letzten Wochen im Teil-Lockdown fühlten sich für mich irgendwie unwirklich an. Mein Radius ist gerade stark beschränkt, ich habe weniger Kontakte und somit auch viel weniger Input und Inspiration als sonst. Es ist ein bisschen wie in einem seeehr langen Tunnel. Das Leben läuft zwar weiter, aber es gibt keine richtige Perspektive. Nur graue Wände rechts und links neben einem. Ab und zu gibt es dann ein paar Lichtblicke, wie letzte Woche, als es so warm war und wir in der Sonne draußen picknicken konnten. Oder der Moment, in dem ich erfuhr, dass die Friseure wieder öffnen 🙂
    Es dauert wohl noch ein bisschen, bis sich die Sonne wieder richtig heraustraut. Bis dahin habe ich zwei Songs für euch, um die Laune wieder ein bisschen anzukurbeln. Viel Spaß beim Hören!

    Für alle, die sich auch nach einem Licht ganz am Ende des Tunnels sehnen

    Was? Der passende Song dazu aus dem Musical Starlight Express aus meiner Heimatstadt Bochum. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit 18 Jahren in der Vorstellung saß und Gänsehaut bei diesem Lied bekam.
    Lieblingszitat: „Ist man im Tunnel drin, dann sieht man es nicht, jedoch am Ende des Tunnels scheint ein Licht!“ *

    * Die sprachliche Grazie und Stilsicherheit bei der deutschen Übersetzung, wie zum Beispiel: „Es entdeckte James Watt, den Dampf im Pott. Der Schotte war ganz platt, dass Dampf Kraft hat, denn in der Tat bringt Dampf in Fahrt, mit Dampf kann man sehr viel bewegen…“, gehört zum Gesamterlebnis mit dazu 😉

    Für Optimist*innen und alle, die es werden wollen

    Was? Das Lied „Wann strahlst du?” von Jacques Palminger und Erobique.
    Lieblingszitat: „Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen“

     

  • Empfehlung,  Familie

    Die müde Raupe Mama hat Corona satt – wer steckt dahinter?

    Gerade wird eine ziemlich coole Geschichte über eine müde Raupe Mama, die Corona satt hat, in den sozialen Netzwerken geteilt. Leider wird die Autorin nicht genannt. Nicht fair, so von Eltern zu Eltern.

    Das Buch ist wirklich lustig und treffend und die Zeichnungen sehr süß. Ich musste sehr viel lachen, als ich die Geschichte las und habe mich in einigen Aspekten auf jeden Fall wiedergefunden. Allerdings gibt es auch Dinge, die man kritisch lesen könnte: Zum Beispiel könnte man fragen, wo denn der Vater ist in dem Buch. Oder warum die deutsche Übersetzung das Narrativ der leidenden, selbstaufopfernden Mutter aufgreift, während im Original einfach nur steht, das Selbstfürsorge genauso wichtig ist, wie für andere zu sorgen.

    Meine Hauptkritik ist aber eigentlich, dass in der geteilten deutschen Geschichte jemand “vergessen” hat, die Autorin zu erwähnen. Die Geschichte wird ohne Namen und Verweis auf die Urheberin geteilt. Geklaut. Das findet die Künstlerin und Illustratorin Martyna Wiśniewska-Michalak aus London, die diese Geschichte letztes Jahr entwickelt hat, sehr schade. Ich habe sie vorgestern angeschrieben und gefragt, ob sie mir erzählen kann, wie es zu der Geschichte gekommen ist. Hier ist ihre Antwort (von mir ins Deutsche übersetzt):

    Wie kamst du auf die Idee, diese Zeichnungen zu machen?
    “Die unglaublich müde Lockdown Mama” ist eine Parodie auf ein berühmtes Kinderbuch, „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle. Das Buch ist eins der Lieblingsbücher meiner Tochter und wir haben es unzählige Male gelesen. Eines Tages, als ich mir nach einem langen Quarantäne-Tag die Zähne putzte, dachte ich, dass ich mich gut mit der Raupe auf dem Cover identifizieren kann. Ich war zu dem Zeitpunkt ständig eine sehr hungrige Mutter. Das war die erste Idee zu dem Buch. Es fertigzustellen, hat etwas mehr als einen Monat gedauert. In Anbetracht der Tatsache, dass das im Lockdown war und die ganze Zeit eine Vierjährige auf mir herum tobte, ist das eigentlich ein Wunder.

    Was passierte danach?
    Ich postete das Buch auf meiner Facebook-Seite und teilte es mit meinen Freunden von der Schule meiner Tochter. Nach ungefähr einem Monat ging es überall im Internet viral und ich wurde von der tollen Agentin Marysia kontaktiert, die für mich einen Verlag fand.

    Was sagst du dazu, dass die deutsche Version gerade ohne deinen Namen in sozialen Medien rumgereicht wird?
    Ich bin sehr traurig darüber, es ist sehr unhöflich die Autorin einfach rauszuschneiden!

    Leider konnte das Buch noch nicht veröffentlicht werden, da es sich um einen Crowdfunding-Verlag handelt – das Buch wird erst publiziert, wenn das Crowdfunding-Ziel erreicht wurde. Aktuell gibt es schon 322 Unterstützer, es fehlen aber noch 37%, damit das Buch endlich gedruckt wird. Wenn ihr die Geschichte gerne als Buch (auf englisch) lesen wollt oder verschenken möchtet, könnt ihr ihre Crowdfunding-Kampagne gerne unterstützen: https://unbound.com/books/the-very-f-cking-tired-mummy/

    • Martyna freut sich auch darüber, wenn ihr ihr eine Nachricht schreibt oder einen virtuellen Kaffee ausgebt: https://ko-fi.com/martiwm
    • Das englische Original könnt ihr euch übrigens auf ihrer Webseite anschauen: https://martiwm.presents.pl/
    • Und wer eine eine ausführliche Reflexion über die deutschsprachige Übersetzung und ihre Problematiken lesen möchte, kann sich bei Alex von F. auf seinem Blog umschauen.

  • Empfehlung

    The Hill We Climb

    Das Gedicht der Poetin Amanda Gorman, das sie gestern bei der Inauguration von Joe Biden vorgetragen hat, hat mich bewegt und motiviert. Schaut es euch unbedingt an! Sie beendet das Gedicht mit der Aufforderung zur Hoffnung, die manchmal auch eine gehörige Portion Mut erfordert:

    “For there is always light
    if only we’re brave enough to see it
    if only we’re brave enough to be it. ”

    (Amanda Gorman)

    Den Satz bekomme ich seit gestern nicht mehr aus meinem Kopf 🙂 Hier findet ihr übrigens auch die kompletten Lyrics des Gedichts.

  • Empfehlung

    Eloquent, enthusiastisch und ehrlich

    Ich hatte schon immer den Verdacht, dass Enissa Amani tiefgründig ist. Das erste Mal wurde ich vor einigen Jahren auf die Comedienne aufmerksam, als sie über ihr Leben als Flüchtlingskind, ihre kommunistischen Eltern oder Nasen-OP-wütige Iranerinnen sprach.

    Vor ein paar Tagen habe ich ihren neuen Podcast auf Spotify entdeckt, der mir nicht nur wegen des Titels gut gefällt: Statements aus Seide.
    Im Podcast redet sie eloquent, enthusiastisch und ehrlich über alle möglichen Themen: Hoffnung, Schönheitsideale, Vorurteile oder Meinungsfreiheit. Gut gefällt mir, dass es bei aller Tiefgründigkeit auch immer wieder etwas zu lachen gibt. Zu Beispiel, wenn sie in der zweiten Folge erklärt, das Schönheit nicht alles ist und es auch auf das natürliche Selbstbewusstsein ankommt, das eine Person ausstrahlt. Was aber nicht hieße, dass Menschen sich nicht auch über Äußerlichkeiten ärgern dürften. Wenn jemand zum Beispiel „Segelohren (…) von hier bis zur Wand“ hat und damit nicht mehr durch die Tür im Supermarkt kommt, dann kann sie schon verstehen, dass das stört. Doch am Ende zählt für Enissa vor allem die innere Haltung: „Es ist nicht das, was du hast, sondern wie du es trägst.“ Tiefgründiges gepaart mit Humor – I like it!

    Hier findest du den Link zu ihrem Podcast. Und wenn du Enissa noch nicht kennst, kannst du sie in diesem Kurzportrait von funk kennen lernen:

     

  • Empfehlung,  Journalismus/Medien

    Divers und konstruktiv: So könnten Medien sein.

    Zwei Empfehlungen für alle, die “was mit Medien” machen oder gerne welche konsumieren.

    Alltagsrassismus in der Redaktion

    Was? Interview mit Nour Khelifi, einer freien Journalistin aus Österreich, die mittlerweile in Berlin lebt.
    Besonders spannend fand ich: Ich habe Nour Khelifi durch ein Live-Video der Neuen Deutschen Medienmacher*innen letztens auf Instagram entdeckt. Im Live-Video beschrieb sie, wie sie als junge Journalistin oft von den typischen Networking ausgeschlossen war, weil sie kein Alkohol trinkt. Im Interview auf YouTube erzählt sie, dass sie Alltagsrassismus zum ersten Mal richtig zu spüren bekam, als sie als Journalistin anfing. In nahezu jeder Redaktion, in der sie anfing, war sie die einzige mit Migrationshintergrund und für viele Kolleginnen und Kollegen die erste Muslima, mit der sie jemals persönlich geredet hatten. Muss dass der Normalzustand bleiben?

     

    Einseitige Berichterstattung

    Was? Keynote von Bastian Berbner im Rahmen des Constructive Journalism Day 2020.
    Besonders spannend fand ich: Wie viele Teenager-Schwangerschaften gibt es? Wieviel Prozent der Deutschen schätzen sich als glücklich ein? Die meisten Befragten verschätzen sich bei der Beantwortung dieser Fragen. Denn Medien berichten oft so lange über die negativen Ausnahmen in unserer Gesellschaft, bis die Ausnahme irgendwann für die Regel gehalten wird. Deswegen halten Menschen die Welt oft für schlechter und gefährlicher, als sie wirklich ist, meint Berbner in seinem Vortrag. Doch wie lässt sich das ändern? Er empfiehlt Medienschaffenden, sich folgende Frage öfter in der Berichterstattung zu stellen: Was können wir tun? (Beginn ab Minute 10)