• Einfach so,  Soziales

    Glauben Sie an Corona?

    Das fragte mich letztens ein Mann in der Bahn. Ich stutzte kurz. Was hat ein Virus mit Glauben zu tun? Gut – ein bisschen ist Corona wie Gott, man kann ihn nicht sehen, aber er ist überall. Dann hört es fast aber auch schon auf.

    Gott ist nicht überall in den News und auf den Titelseiten. Man kann ihn auch nicht mit Desinfektionsmittel wieder loswerden. Und noch nie hat er ganze Länder dazu veranlasst, ins Home-Office zu gehen und mit dem Gärtnern anzufangen.
    Der Mann schien sich nicht sicher zu sein, ob es diesen Corona-Virus wirklich gibt und fand die Frage nach dem Glauben daran ganz passend für einen Smalltalk im Regionalexpress. Ich muss dazu sagen, dass er mir eher einfach gestrickt vorkam. Aber genau deswegen hat er seine Frage laut ausgesprochen. Andere in dem Abteil haben das vielleicht auch gedacht, aber hätten es nicht laut gesagt. Die älteren Herren mir gegenüber zum Beispiel, die ihren Mundschutz, na ja sagen wir mal, sehr halbherzig irgendwo am Kinn trugen.

    Ich antwortete dem Fragesteller also und sagte: „Was heißt glauben? Letztes Wochenende ist ein Bekannter einer Freundin von mir daran gestorben.“ Der Mann ruderte sofort zurück und meinte: „Oh ok, alles klar… Wie alt war er?“ „39 Jahre“, antwortete ich. Das Gespräch verstummte.

  • Einfach so,  Empfehlung

    Für gut befunden

     

    „Echt witzig. Super spannend!“ Das dachte ich, als ich diese Fundstücke entdeckte. Falls ihr nach gutem Entertainment oder interessanten Talk-Formaten sucht, hier habe ich was für euch:

     

    Die Serie: In „Frau Jordan stellt gleich“ kämpft die Gleichstellungsbeauftragte Eva Jordan (gespielt von Katrin Bauerfeind) gegen sexistische Werbung und setzt sich für Frauen bei der Feuerwehr und Männer in PEKIP-Kursen ein. Superlustig, viel Wortwitz und gleichzeitig auch was zum Nachdenken 🙂

    Zitat: „Prinzessin ist ein Arschlochjob!“.

    Link zu den einzelnen Folgen: www.joyn.de/serien/frau-jordan-stellt-gleich


    Der Podcast: Im „After Corona Club“ befragt Anja Reschke Expertinnen und Experten zu den Auswirkungen der Krise: Was bedeutet sie für Künstler*innen, was für das Klima? Wie verändern sich die Städte? Wie unsere Psyche?

    Link: Zum Podcast und zum Videoformat.

     


    Die Hymne: Bodo Wartke besingt in seinem neuen Song mit einem Augenzwinkern den Podcast des Virologen Christian Drosten.

    Zitat: „Und während wir uns alle hier voneinander distanzieren und in der Isolation verrosten,
    hält dieser Mann das Land auf dem neusten Stand und bleibt für uns auf Posten: Christian Drosten!“

     

  • Einfach so,  Familie

    Spielst du noch oder lernst du schon?

    Kennt ihr die Counting Bears? Nein? Ich kannte sie bis vor kurzem auch nicht, scheine aber einen wichtigen Trend verpasst zu haben. Mit Bildung kann man ja nie früh genug anfangen: Wer möchte kein kluges Kind haben, das später gute Noten mit nach Hause bringt?

    Auf diesen Druck, der auf vielen Eltern lastet, setzt die internationale Firma „Learning Resources“. Sie bieten nicht nur einfach Spielzeug für Kinder an – nein es sind Lern-Anlässe für die Allerkleinsten. Das klingt gut und verkauft sich besser. Deswegen haben sie (passt auf,  hier jetzt setzt der Trommelwirbel ein) bunte Plastikbären erfunden, in unterschiedlichen Größen. Das gab es noch nie! Na gut, vielleicht gab es die schon vorher, aber keiner kam bisher auf die Idee, Plastikbären als Bildungsspielzeug für Dreijährige zu vermarkten, die mit ihnen „frühe mathematische Fähigkeiten“ erwerben können. Die Argumente für den Kauf sind ausgeklügelt: Kinder können mit diesen Plastikbären nicht nur zählen lernen (it has never been so much fun!),  sie lernen auch die Farben, trainieren ihre Geschicklichkeit und erwerben erste organisatorische Fähigkeiten. Das alles mit einem einzigen Spielzeug!

    Nach dem Motto „viel hilft viel“ werden die Eltern dann ermutigt, das große Set der Lernbären zu kaufen. Denn das Set mit 96 Teilen ermutigt die Kinder weiter zu zählen, als sie es bei einem Set mit 60 Teilen tun würden!
    Diese Marketing-Strategie hat anscheinend viele Eltern im englischsprachigen Raum überzeugt, die Counting Bears via Amazon zu kaufen und durchweg positive Bewertungen zu hinterlassen. Vielleicht ist das auch eine kulturelle Sache –  aber die Tatsache, dass die Bären bunt sind und dass es viele davon gibt, überzeugt mich nicht, sie zu kaufen. Dass sie aus Plastik sind noch viel weniger. Und klar können Kinder damit zählen lernen. Das können sie aber auch mit Bausteinen, Toilettenpapier-Rollen oder Gummibärchen. Obwohl, eigentlich keine schlechte Idee: Zähl-Gummibärchen würden bestimmt schnell Abnehmer/innen finden. Also zumindest bei den Kindern.

    Für alle, die von dieser erschlagenden Argumentation noch nicht überzeugt sind, gibt es ein aufwendig produziertes Werbe-Video. Zehn Minuten lang könnt ihr eine Hand mit neongrün lackierten Fingernägeln dabei beobachten, wie sie bunte Bären in die dafür vorgesehenen Becher sortiert, wieder ausschüttet und erneut sortiert. Viel Spaß beim Anschauen! 🙂

  • Einfach so,  Familie,  Soziales

    Positive Folgen der Krise

    Die negativen Folgen der Corona-Krise sind in aller Munde. Auch ich bin gespannt und beunruhigt, wie sich unsere Gesellschaft dadurch verändern wird. Aber es gibt auch positive Veränderungen, die die Krise auslöst. Hier eine kleine persönliche Übersicht:

    1. Mehr Kontakt zu Freunden und Familie: In den letzten Wochen habe ich mit fast sämtlichen Freunde, auch den weit entfernten, einmal telefoniert oder geschrieben. Letztes Wochenende haben wir uns mit der gesammelten Großfamilie via Zoom vor dem Rechner versammelt und gequatscht. Obwohl das schon länger möglich ist, habe ich das vorher nie in Betracht gezogen. Warum machen wir das jetzt eigentlich nicht immer so? Warum zum Telefonhörer greifen, wenn ein Video-Telefonat genauso gut geht und noch viel persönlicher ist?
    2. Ich habe wieder Zeit für Pilates. Dadurch, dass es online stattfindet, muss ich mich abends nicht mehr aufraffen und rausgehen, sondern gehe einfach mit der Matte nach nebenan.
    3. Die Kinder verbringen mehr Zeit mit uns und genießen es sichtlich. Regelmäßig fragt die Kleine: „Ist Wochenende?“. Dann erkläre ich ihr, dass zwar kein Wochenende ist, aber die Kita trotzdem Pause hat. Sie nickt dann immer ganz verständnisvoll. Seitdem sie so viel Zeit mit uns verbringt, braucht sie übrigens kaum noch einen Schnuller.
    4. Ich spare Geld. Kaum noch Coffee-to-Go oder Brötchen für unterwegs, Mittagessen fast immer zu Hause. Keine langen Sessions mit dem Laptop im Café, keine Eintrittsgelder am Wochenende. Stornierte Flüge und Ferienwohnungen. Obwohl wir auch ein paar Anschaffungen hatten, macht sich das jetzt schon auf dem Konto bemerkbar. Ob sich das langfristig auszahlt (Stichwort Wegfall von Honoraren) ist natürlich eine ganz andere Frage. Jetzt erstmal ist das auf jeden Fall schön.
    5. Meine Große (fast 5) möchte Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Wiederholt hat sie uns darum gebeten, letztens habe ich ihr die ersten Arbeitsblätter für Vorschulkinder ausgedruckt. Sie war mit Eifer bei der Sache.
    6. Der Schrebergarten profitiert stark von der vielen Zeit, die wir jetzt unfreiwillig haben. Es exisiteren schon herausragende Konzepte zu einer berankten Pergola aus selbst bemalten Holzbalken mit Sonnensegel. Ich ziehe gerade Tomaten und Paprika auf der Fensterbank heran, die Kartoffeln keimen auch schon vor. Die Zeit des Kleingartens ist endlich gekommen!
    7. Ich spiele regelmäßig Gesellschaftsspiele mit den Kids. Früher haben wir die höchstens im Urlaub rausgeholt.
    8. Im Arbeitszimmer steht jetzt ein Cross-Trainer, den ich in den Pausen benutze.