Einfach so,  Familie

Spielst du noch oder lernst du schon?

Kennt ihr die Counting Bears? Nein? Ich kannte sie bis vor kurzem auch nicht, scheine aber einen wichtigen Trend verpasst zu haben. Mit Bildung kann man ja nie früh genug anfangen: Wer möchte kein kluges Kind haben, das später gute Noten mit nach Hause bringt?

Auf diesen Druck, der auf vielen Eltern lastet, setzt die internationale Firma „Learning Resources“. Sie bieten nicht nur einfach Spielzeug für Kinder an – nein es sind Lern-Anlässe für die Allerkleinsten. Das klingt gut und verkauft sich besser. Deswegen haben sie (passt auf,  hier jetzt setzt der Trommelwirbel ein) bunte Plastikbären erfunden, in unterschiedlichen Größen. Das gab es noch nie! Na gut, vielleicht gab es die schon vorher, aber keiner kam bisher auf die Idee, Plastikbären als Bildungsspielzeug für Dreijährige zu vermarkten, die mit ihnen „frühe mathematische Fähigkeiten“ erwerben können. Die Argumente für den Kauf sind ausgeklügelt: Kinder können mit diesen Plastikbären nicht nur zählen lernen (it has never been so much fun!),  sie lernen auch die Farben, trainieren ihre Geschicklichkeit und erwerben erste organisatorische Fähigkeiten. Das alles mit einem einzigen Spielzeug!

Nach dem Motto „viel hilft viel“ werden die Eltern dann ermutigt, das große Set der Lernbären zu kaufen. Denn das Set mit 96 Teilen ermutigt die Kinder weiter zu zählen, als sie es bei einem Set mit 60 Teilen tun würden!
Diese Marketing-Strategie hat anscheinend viele Eltern im englischsprachigen Raum überzeugt, die Counting Bears via Amazon zu kaufen und durchweg positive Bewertungen zu hinterlassen. Vielleicht ist das auch eine kulturelle Sache –  aber die Tatsache, dass die Bären bunt sind und dass es viele davon gibt, überzeugt mich nicht, sie zu kaufen. Dass sie aus Plastik sind noch viel weniger. Und klar können Kinder damit zählen lernen. Das können sie aber auch mit Bausteinen, Toilettenpapier-Rollen oder Gummibärchen. Obwohl, eigentlich keine schlechte Idee: Zähl-Gummibärchen würden bestimmt schnell Abnehmer/innen finden. Also zumindest bei den Kindern.

Für alle, die von dieser erschlagenden Argumentation noch nicht überzeugt sind, gibt es ein aufwendig produziertes Werbe-Video. Zehn Minuten lang könnt ihr eine Hand mit neongrün lackierten Fingernägeln dabei beobachten, wie sie bunte Bären in die dafür vorgesehenen Becher sortiert, wieder ausschüttet und erneut sortiert. Viel Spaß beim Anschauen! 🙂

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