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Von der Intoleranz der Toleranten

Vor einigen Tagen las ich einen sehr verwunderlichen Tweet. Die Schreiberin sagte, dass sie Intolerante nicht tolerieren könne, gerade weil sie Toleranz so toll fände. Das machte mich erst einmal sprachlos. Liegt es nicht gerade im Wesen von Toleranz, dass sie andere Meinungen aushält, auch wenn es nicht die eigene ist? Der Tweet war eine Reaktion auf ein Interview des ehemaligen Bundespräsidenten Gauck, der sich im Spiegel für eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“ aussprach. Ich kann mir nur vorstellen, was die Tweet-Schreiberin gemeint haben könnte. Vielleicht wollte sie sagen:“ Ich finde Intoleranz nicht gut und werde sie nicht stillschweigend akzeptieren. Ich werde laut dagegen vorgehen, wenn zum Beispiel Menschen diskriminiert werden”. Vielleicht.

Trotzdem ist es mir sehr wichtig, dass der tolle Begriff der Toleranz nicht verwässert wird. Toleranz heißt ertragen, erdulden. Es geht nicht darum, etwas gut zu finden oder einen für sich unerträglichen Zustand zu akzeptieren. Sondern es geht darum, etwas nicht gut zu finden, das meinetwegen auch laut zu äußern und TROTZDEM der Gegenseite zuzuhören. Und TROTZDEM notgedrungen am Ende des Tages zu ertragen, dass jemand anderer Meinung ist als ich. Ohne diese Person wüst zu beschimpfen.

Nicht nur der Begriff der Toleranz wird oft nicht präzise eingesetzt. Der Begriff rechts wird bei vielen immer mehr mit rechtsextrem gleichgesetzt. Dazu hat Dr. Hugo Müller-Vogg vor ein paar Tagen einen aufschlussreichen Artikel im Cicero geschrieben, den ich nur empfehlen kann: https://www.cicero.de/innenpolitik/Joachim-Gauck-rechts-konservativ-Merkel-links

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