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Was passiert, wenn wir vom Guten im Menschen ausgehen?

Eine menschlichere und gerechtere Welt ist möglich, davon ist der niederländische Journalist und Historiker Rutger Bregman überzeugt. In seinem Buch „Im Grunde gut“ schreibt er, dass der Mensch in der Natur seines Wesens freundlich und hilfsbereit ist.

Ich bin nun mit dem Buch fertig. Einen ganzen Monat habe ich gebraucht, es zu lesen. Zum einen, weil ich nicht immer die Zeit hatte, zum anderen, weil das Buch fast 500 Seiten lang ist. Außerdem beinhaltet es viel Stoff zum Nachdenken, ich hätte es gar nicht in einem Rutsch runterlesen können. Während der Lektüre habe ich mir jede Menge Notizen gemacht und immer wieder Zitate rausgeschrieben, die ich toll fand.

Die Quintessenz des ganzen Buches findet sich meiner Meinung nach in diesem Satz wieder: „Das Böse ist stärker, aber das Gute kommt häufiger vor.“
Der Autor bestreitet nicht, dass es auch schlechte Seiten in den Menschen gibt, er belegt aber durch unzählige Beispiele, dass das die Ausnahme ist. Es ist die Ausnahme, wenn Leute morden, wenn sie kriminell aktiv werden, wenn sie gewalttätig werden. In der Corona-Krise zum Beispiel, da hätten die meisten Leute einfach ihren Nachbarn geholfen. Und ja, dann gab es auch die, die aus Panik angefangen haben, Klopapier zu horten. Warum haben wir aber oft das Gefühl, dass die Welt immer schlechter und böser wird? Weil negative Ereignisse und Gefühle besser in unserem Gedächtnis haften bleiben (Negativitätseffekt). Das Buch beschreibt unzählige positive Beispiele von Menschen, die auch in Extremsituationen einander halfen, Waffen niedergelegten und füreinander da waren. Und es stellt die wichtige Frage: Was wäre, wenn wir vom Guten im Menschen ausgingen? Wie würde sich dann unsere Gesellschaft verändern?

Eine ausführlichere Rezension von mir könnt ihr hier, bei einem meiner Auftraggeber, lesen. Viel Spaß!

2 Comments

  • Nette

    Das ist aber mal eine steile These…
    Ich bin davon überzeugt, dass der Mensch im Grunde „schlecht“ – bzw. egoistisch – ist. Und das ist auch eine Notwendigkeit. Wenn ich geboren werde, muss alle Aufmerksamkeit mir und meinen Bedürfnissen gelten. Jemand anderes muss für mich sorgen und meine Bedürfnisse erfüllen. Und das setzt jedes Baby ziemlich egoistisch durch. Die Mama ist nervlich fertig? Sie ist selber hungrig/durstig/muss aufs Klo? Egal, ich schreie und versuche meine Bedürfnisse durchzusetzen.
    Die „guten“ Verhaltensweisen sind anerzogen – von der Umwelt gesteuert, weil es das zusammenleben erleichtert. Mit der wachsenden Selbstständigkeit erkennt der Mensch, dass es da noch andere Individuen gibt, die mir mein leben erleichtern, wenn ich „nett“ bin. Also ist mein „Nett-sein“ eigentlich auch ein Egoismus…

    • Sarah

      Hallo Nette, ja, die These ist steil, sicherlich. Ich meine, dass Rutger Bregman an einer Stelle in seinem Buch genau diesen Punkt auch anspricht. Er schreibt, dass der Mensch andere Menschen braucht und dass das “Nett-sein” sich daher auch als versteckten Egoismus interpretieren lässt. Bregman schreibt dann aber auch, dass es ihm nicht so wichtig ist, warum jemand nett ist, solange er nett ist. (Finde die exakte Stelle gerade nicht mehr, daher kann ich nicht zitieren). Du hast davon gesprochen, dass der Mensch im Grunde “schlecht”, bzw. “egoistisch” ist. Für mich sind das zwei verschiedene Dinge: Ist der Mensch grundsätzlich schlecht, rücksichtslos und gemein? Oder denkt er zunächst einmal an sich?
      Spannend finde ich auf jeden Fall, dass vieles mit unserer Erwartungshaltung zu tun hat: Erwarte ich von jemandem nur Schlechtes? Oder bin ich offen dafür, dass die Person grundsätzlich freundlich, lernwillig oder hilfsbereit ist? Unsere Erwartungshaltung wirkt sich auf das Verhalten unseres Gegenübers aus (Stichwort „Pygmalion-Effekt“). Auf dieser Basis stellt Bregman auch die Frage nach der Gestaltung unserer gesellschaftlichen Strukturen: Schaffe ich zum Beispiel ein Schulsystem, das davon ausgeht, dass Kinder keine Lust zum Lernen haben und diszipliniert werden müssen? Oder eins, das erwartet, dass Kinder sehr wissbegierig sind und gerne kooperieren möchten?

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