• Empfehlung,  Soziales

    Netflix-Doku über Michelle Obama

    Ich war im Urlaub. Hoch motiviert habe ich zwei Bücher und vier Zeitschriften eingepackt und bin für meine Verhältnisse (zwei Kinder im Alter von 2 und 5) sehr weit gekommen! Darüber hinaus hatte ich Zeit für ein paar spannende Dokumentationen. Besonders berührt hat mich die Netflix-Dokumentation über Michelle Obama.

    In dieser gewährt sie während ihrer Lesereise zum Buch Becoming: Meine Geschichte persönliche Einblicke in ihr Leben. Ihr absolut fantastisches Buch habe ich schon vor einiger Zeit verschlungen und kann es nur empfehlen! Die Dokumentation ist eine schöne Ergänzung. Es kommen unter anderem ihre Mutter, ihr Bruder, ihre Töchter und ihr langjähriger Bodyguard zu Wort. Immer wieder werden Ausschnitte ihrer, bis ins kleinste Detail professionell geplanten, Lese-Tour gezeigt. Volle Sport-Arenen jubeln ihr begeistert zu und hängen an ihren Lippen, wenn sie Dinge sagt wie:

    “I have been at, probably, every powerful table there is in the world. (…) I am coming down from the mountaintop to tell every young person that is poor and working class, and has been told that you don’t belong: don’t listen to them. They don’t even know how they got at those seats.”

    Es werden auch exemplarisch junge Frauen mit einem ähnlichen Background wie Michelle Obama portraitiert, für die sie ein großes Vorbild ist. Wen die ausführliche Geschichte der ehemaligen First Lady interessiert, der sollte zuerst ihr Buch lesen. Für einen noch tieferen Einblick in die Person Michelle Obama, ihre Werte, ihre Mission und auch ihren Humor, lohnt es sich auf jeden Fall, die Dokumentation anzuschauen. Als kleinen Vorgeschmack findet ihr hier den Trailer zur Doku:

     

  • Einfach so,  Soziales

    Glauben Sie an Corona?

    Das fragte mich letztens ein Mann in der Bahn. Ich stutzte kurz. Was hat ein Virus mit Glauben zu tun? Gut – ein bisschen ist Corona wie Gott, man kann ihn nicht sehen, aber er ist überall. Dann hört es fast aber auch schon auf.

    Gott ist nicht überall in den News und auf den Titelseiten. Man kann ihn auch nicht mit Desinfektionsmittel wieder loswerden. Und noch nie hat er ganze Länder dazu veranlasst, ins Home-Office zu gehen und mit dem Gärtnern anzufangen.
    Der Mann schien sich nicht sicher zu sein, ob es diesen Corona-Virus wirklich gibt und fand die Frage nach dem Glauben daran ganz passend für einen Smalltalk im Regionalexpress. Ich muss dazu sagen, dass er mir eher einfach gestrickt vorkam. Aber genau deswegen hat er seine Frage laut ausgesprochen. Andere in dem Abteil haben das vielleicht auch gedacht, aber hätten es nicht laut gesagt. Die älteren Herren mir gegenüber zum Beispiel, die ihren Mundschutz, na ja sagen wir mal, sehr halbherzig irgendwo am Kinn trugen.

    Ich antwortete dem Fragesteller also und sagte: „Was heißt glauben? Letztes Wochenende ist ein Bekannter einer Freundin von mir daran gestorben.“ Der Mann ruderte sofort zurück und meinte: „Oh ok, alles klar… Wie alt war er?“ „39 Jahre“, antwortete ich. Das Gespräch verstummte.

  • Berlin,  Soziales

    Corona-Aerobic

    Vollgepackt mit Einkaufssachen, wollte ich mich eben nur schnell mit dem Fahrrad an den vielen tanzenden Menschen vorbeischlängeln. In Berlin ist das nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches, manchmal treffe ich samstagsmorgens noch irgendwelche übrig gebliebenen Clubber*innen mit Bierchen in der Hand, die zu Elektromucke müde wippen. Tanzende Menschen donnerstagmorgens vor einem Seniorenheim, sind selbst in Berlin ein eher selten anzutreffender Anblick.

    Die Musik war laut aufgedreht, es dröhnte: „Das ist die Berliner Luft“ aus den Boxen. Ein Dutzend fröhlicher Pflegekräfte stand in helllila und weißer Montur in einer Reihe und tanzte. Mit aufmunternden Rufen und einfachen Bewegungsübungen zum Nachmachen, motivierten sie die Damen und Herren auf den Balkonen, mitzumachen. Zum Ende der Übungen brandete Applaus auf, die Stimmung war grandios!

    Schon seit einiger Zeit wird einmal die Woche auf den Balkonen getanzt, ein tolles Angebot für die BewohnerInnen dieses Seniorenzentrums. Lange Zeit waren Besuche verboten, mittlerweile ist (in Berlin) pro Tag Besuch von einer Person möglich. Trotzdem ist nichts wie es war. In vielen Seniorenheimen gibt es zurzeit keine Gruppenangebote, Mahlzeiten nimmt jeder alleine auf dem Zimmer zu sich. Die Gefahr, zu vereinsamen ist groß. Umso toller, dass es so viele kreative Ideen gibt, wie sich trotzdem zusammen Spaß haben lässt! Ich habe mich heute Morgen sehr gefreut und ein bisschen mitgeschunkelt.

    Hier findet ihr einen kleinen Ausschnitt zum Mittanzen:

     

  • Einfach so,  Familie,  Soziales

    Positive Folgen der Krise

    Die negativen Folgen der Corona-Krise sind in aller Munde. Auch ich bin gespannt und beunruhigt, wie sich unsere Gesellschaft dadurch verändern wird. Aber es gibt auch positive Veränderungen, die die Krise auslöst. Hier eine kleine persönliche Übersicht:

    1. Mehr Kontakt zu Freunden und Familie: In den letzten Wochen habe ich mit fast sämtlichen Freunde, auch den weit entfernten, einmal telefoniert oder geschrieben. Letztes Wochenende haben wir uns mit der gesammelten Großfamilie via Zoom vor dem Rechner versammelt und gequatscht. Obwohl das schon länger möglich ist, habe ich das vorher nie in Betracht gezogen. Warum machen wir das jetzt eigentlich nicht immer so? Warum zum Telefonhörer greifen, wenn ein Video-Telefonat genauso gut geht und noch viel persönlicher ist?
    2. Ich habe wieder Zeit für Pilates. Dadurch, dass es online stattfindet, muss ich mich abends nicht mehr aufraffen und rausgehen, sondern gehe einfach mit der Matte nach nebenan.
    3. Die Kinder verbringen mehr Zeit mit uns und genießen es sichtlich. Regelmäßig fragt die Kleine: „Ist Wochenende?“. Dann erkläre ich ihr, dass zwar kein Wochenende ist, aber die Kita trotzdem Pause hat. Sie nickt dann immer ganz verständnisvoll. Seitdem sie so viel Zeit mit uns verbringt, braucht sie übrigens kaum noch einen Schnuller.
    4. Ich spare Geld. Kaum noch Coffee-to-Go oder Brötchen für unterwegs, Mittagessen fast immer zu Hause. Keine langen Sessions mit dem Laptop im Café, keine Eintrittsgelder am Wochenende. Stornierte Flüge und Ferienwohnungen. Obwohl wir auch ein paar Anschaffungen hatten, macht sich das jetzt schon auf dem Konto bemerkbar. Ob sich das langfristig auszahlt (Stichwort Wegfall von Honoraren) ist natürlich eine ganz andere Frage. Jetzt erstmal ist das auf jeden Fall schön.
    5. Meine Große (fast 5) möchte Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Wiederholt hat sie uns darum gebeten, letztens habe ich ihr die ersten Arbeitsblätter für Vorschulkinder ausgedruckt. Sie war mit Eifer bei der Sache.
    6. Der Schrebergarten profitiert stark von der vielen Zeit, die wir jetzt unfreiwillig haben. Es exisiteren schon herausragende Konzepte zu einer berankten Pergola aus selbst bemalten Holzbalken mit Sonnensegel. Ich ziehe gerade Tomaten und Paprika auf der Fensterbank heran, die Kartoffeln keimen auch schon vor. Die Zeit des Kleingartens ist endlich gekommen!
    7. Ich spiele regelmäßig Gesellschaftsspiele mit den Kids. Früher haben wir die höchstens im Urlaub rausgeholt.
    8. Im Arbeitszimmer steht jetzt ein Cross-Trainer, den ich in den Pausen benutze.

     

     

  • Empfehlung,  Soziales

    Von der Intoleranz der Toleranten

    Vor einigen Tagen las ich einen sehr verwunderlichen Tweet. Die Schreiberin sagte, dass sie Intolerante nicht tolerieren könne, gerade weil sie Toleranz so toll fände. Das machte mich erst einmal sprachlos. Liegt es nicht gerade im Wesen von Toleranz, dass sie andere Meinungen aushält, auch wenn es nicht die eigene ist? Der Tweet war eine Reaktion auf ein Interview des ehemaligen Bundespräsidenten Gauck, der sich im Spiegel für eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“ aussprach. Ich kann mir nur vorstellen, was die Tweet-Schreiberin gemeint haben könnte. Vielleicht wollte sie sagen:“ Ich finde Intoleranz nicht gut und werde sie nicht stillschweigend akzeptieren. Ich werde laut dagegen vorgehen, wenn zum Beispiel Menschen diskriminiert werden”. Vielleicht.

    Trotzdem ist es mir sehr wichtig, dass der tolle Begriff der Toleranz nicht verwässert wird. Toleranz heißt ertragen, erdulden. Es geht nicht darum, etwas gut zu finden oder einen für sich unerträglichen Zustand zu akzeptieren. Sondern es geht darum, etwas nicht gut zu finden, das meinetwegen auch laut zu äußern und TROTZDEM der Gegenseite zuzuhören. Und TROTZDEM notgedrungen am Ende des Tages zu ertragen, dass jemand anderer Meinung ist als ich. Ohne diese Person wüst zu beschimpfen.

    Nicht nur der Begriff der Toleranz wird oft nicht präzise eingesetzt. Der Begriff rechts wird bei vielen immer mehr mit rechtsextrem gleichgesetzt. Dazu hat Dr. Hugo Müller-Vogg vor ein paar Tagen einen aufschlussreichen Artikel im Cicero geschrieben, den ich nur empfehlen kann: https://www.cicero.de/innenpolitik/Joachim-Gauck-rechts-konservativ-Merkel-links